Wir über uns

Liebe Freunde und Gäste der KÄS,

herzlich Willkommen in der Welt des Kabaretts, in der KÄS Frankfurt, gegründet im Jahr 1997 von Sinasi Dikmen und seiner Frau Ayse Aktay Dikmen.

Damit Sie sich in unseren Räumen noch wohler fühlen, haben wir 2016 im Foyer den Thekenbereich vergrößert und renoviert.

Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt natürlich unseren Künstlern. Neben vielen etablierten Künstlergrößen, die in der KÄS seit Jahren auftreten, möchten wir in Zukunft auch dem aufstrebenden künstlerischen Nachwuchs eine Chance auf der Bühne bieten sowie Ihnen die Freude an jungen, kabarettistischen Ideen schmackhaft machen.

Bei uns bekommen Sie anspruchsvolle und intelligente Unterhaltung, Witz und Humor zu brisanten Fragen unserer Zeit, unzeitgemäße Anregungen und Antworten, die sie vielleicht nicht erwartet haben. Lassen Sie sich überraschen!

Wir laden Sie als treuen Stammgast oder neuen Besucher ein, unseren Künstlern ein Publikum zu sein, das diese sich wünschen und sich wahrlich verdient haben.

Entdecken Sie mit uns die Welt des Kabaretts.

Wir freuen uns auf Sie.

Ihr KÄS-Team

* KabarettÄnderungsSchneiderei

Nicht türkisch, nicht deutsch, sondern beides

Integriert, was heißt das schon: Der Kabarettist Sinasi Dikmen und seine Familie betreiben das Frankfurter Kabarett Die Käs

Frankfurt. In punkto Pessimismus sind die Türken und die Deutschen eigentlich Wahlverwandte. Zumindest wenn man Ali, der Hauptfigur in Sinasi Dikmens neuem Buch, glaubt. Was der Deutsche an professionellem Nörgeln, Heulen und Zähneklappern von sich gibt, wird allenfalls noch von den „amans“ und „ofs“ eines echt türkischen Dauerjammerns übertroffen. Dikmen, Wanderer zwischen deutsch-türkischen Welten, ist selbst zwar ein Skeptiker, aber kein Pessimist: „Wir können sehr zufrieden sein“, sagt er, „uns ging es noch nie so gut wie in den letzten Jahren. Wir haben gesunde Kinder und Enkel – und unser gemeinsames Kind, die Käs, blüht auch.“

Dikmen sitzt mit Frau und Stiefsohn im von der Oktobersonne durchfluteten Hof des Frankfurter Naxosgeländes, sein Theater im Rücken. Dikmen, vor 25 Jahren der erste deutsch-türkische Kabarettist, entdeckt und gefördert von niemand Geringerem als Dieter Hildebrandt, ist seit elf Jahren auch Kabarettbesitzer. Zusammen mit seiner Frau Ayse Aktay, die nicht umsonst die Seele des Betriebs genannt wird, und deren Sohn Oktay Acet, der demnächst die Leitung ganz übernehmen wird, betreibt er das Kabarett Die Käs.

„Käs“, das war ursprünglich eine Abkürzung, für „Kabarett Änderungsschneiderei“ – ein Scherz, der mit einem typischen Klischee über die Türken spielt. Seit 2002 ist es auf dem Naxosgelände ansässig – eine Kabarettbühne, wie sie im Buche steht: Gemütliche Sitzgruppen, Bewirtung und auf dem Spielplan das, was an deutschsprachigem Qualitätskabarett so zu bieten ist: Georg Schramm, Hagen Rether, Dieter Hildebrandt, Dieter Hallervorden, Thomas Reis, Josef Hader, Urban Priol, Emil Steinberger, Gerhard Polt. Etwas größer als eine Änderungsschneiderei ist die Käs dann allerdings doch: 200 Zuschauer haben Platz. Heute wird dort „Integrier dich, Opa“ vorgestellt – und in den nächsten Tagen präsentiert die Käs ein Programm zum Buchmesse-Gastland des Jahres, der Türkei.

Die drei sind gespannt, was der Gastland- Auftritt bewirken wird, den Dikmen und Aktay fleißig besuchen wollen. Acet erwartet durch das Kulturprogramm eine Annäherung. „Dass vor allem die deutsche Seite die Türkei besser kennenlernt. Es ist ja nicht nur die deutsche Seite, die Fehler macht: Die Türkei hat sich auch nie so präsentiert, wie sie sich darstellen könnte.“ Ob sich das Bild der Türkei rasch wandeln wird, ist für Dikmen fraglich: „Aber ich glaube, dass die Buchmesse ein Möglichkeit für die Türkei ist, ihre Vielfalt zu zeigen und ihre Kultur, die es natürlich mit der europäischen Kunst aufnehmen kann. Es gibt zum Beispiel viele große türkische Schriftsteller, nicht nur der Gegenwart, sondern etwa aus der zwanziger Jahren, die noch nicht bekannt sind. Ich glaube, dass die Türkei sich jetzt einmal in ihren künstlerischen Fähigkeiten darstellen kann. Ob das gelingt? Jedenfalls ist die Chance da.“

Nächsten Sonntag wird Hausherr Dikmen beim Buchmesse-Programm selbst mitdiskutieren, wenn es um das Bild der Deutschen und der Türken in der jeweils anderen Literatur geht. Sein nörgelnder Ali mit seinem beschränkten Horizont ist zwar eine Erfindung reinsten Satire-Wassers. Nichtsdestotrotz schwimmen in dem zuweilen recht brachialen Strom von „Integrier dich, Opa“, Dikmens viertem Buch, einige Körnchen Wahrheit mit. Nicht nur, dass Ali aus einem Dörflein namens Cakirgümüs stammt, das wie ein Ei dem anderen jenem Dörflein ähnelt, aus dem Dikmen Ende der sechziger Jahre wegging. „Mein Dorf“ taucht in seinen Kabarettprogrammen wie „Kleider machen Deutsche“ oder „Du sollst nicht türken“ immer mal auf oder eben jetzt in den Geschichten um Ali.

Als Krankenpfleger ging Dikmen nach Deutschland, 35 Jahre ist das her. Sein Talent zur Satire brachte ihn erst in den „Scheibenwischer“, dann mit dem Duo „Knobi- Bonbon“ zu großer Bekanntheit und dem Deutschen Kleinkunstpreis. „Ich glaube, ich bin sehr anders geworden. Und das verdanke ich Deutschland und vor allem der deutschen Sprache“, sagt der Vielleser Dikmen. „Hätte ich in der Türkei auch alle Möglichkeiten gehabt wie hier – diese Veränderung hätte nicht stattgefunden. Denn die Sprache und die Umgebung formen einen Menschen ja auch dann, wenn er nicht bewusst damit umgeht. Ich bin heilfroh, nach Deutschland gekommen zu sein. Der deutschen Sprache bin ich viel schuldig.“

Deshalb war es für ihn nie eine Frage, dass die Käs ein deutsches Kabarett ist – aus türkischer Hand. „Wir fühlen uns alle drei verpflichtet, gegenüber der Sprache und dem Land. Es geht mir um die Kinder und Enkel, die in diesem Land leben. Die werden hierbleiben, und es wäre schön, wenn sie wissen, was wir damit gewollt haben, mit diesem Engagement“, sagt Dikmen.

Obwohl der Markt es nötig macht, auch Comedy zu zeigen, ist das politische Kabarett deutscher Prägung Markenzeichen der Käs. In dieser Sparte ist Dikmen immer noch eine Ausnahmefigur – die anderen deutschtürkischen Brettl-Künstler tummeln sich in der eher seichten Comedy.

Dikmen wünscht sich, dass diese jüngeren Talente sich mit der Politik und der Zukunft des Landes auseinandersetzen – doch er selbst würde niemals Innenpolitik zu seinem Thema machen. Anders sieht er das bei Kollegen der zweiten Generation, etwa dem Bayern Django Asül. Der hat mit Comedy begonnen, gehe aber nun in eine andere Richtung: „Er ist ein Sonderfall, weil er aus Bayern kommt. Ihm würde man auch abnehmen, wenn er sich mit deutscher Politik auseinandersetzt. Mir nicht. Der hat eine ganz andere Sozialisation.“

Acet selbst sieht sich als Europäer – doch kaum hört jemand, er habe türkische Wurzeln, wird er nach Menschenrechten, Kurden und Islam gefragt. „Aber besonders in einer Stadt wie Frankfurt mischt sich das ja viel mehr, und unter den Kindern wird das anders. Aus einer Stadt wie Frankfurt kann doch eigentlich jeder kommen. Sie ist liberal.“ Noch allerdings sieht er das Problem in den vorgefertigten Bildern: „Jeder Deutsche hat ein Bild von einem Türken, und er kennt vielleicht einen, der seine Tochter nicht zum Sportunterricht schickt oder so etwas. Und dann sagt er: Ah, du bist Türke – aber du bist ja ganz anders als die Türken! Du bist aber sehr gut integriert!“

Was Integration denn heißt? Da passen die drei. „Keine Ahnung, was das heißen soll“, sagt Ayse Aktay: „Ich lebe meinen Lebensstil, das tue ich hier wie in der Türkei. Ich mache keinen Unterschied.“ Ob ein Bayer, der nach Frankfurt komme, „integriert“ sei, fragt sich Acet: „Das ist ein Definitionsproblem. Für mich heißt das, dass man sich an die Verfassung und an das Gesetz hält, das ist doch Integration.“ Sein Stiefvater allerdings sieht die Sprache als Schlüssel, jedenfalls werde das immer behauptet: „Wir haben ein eigenes Theater, in dem ausschließlich eine Sprache gepflegt wird, die nicht unsere ursprüngliche ist.“ Und mit den Kabarettkollegen, die mit der Sprache und der Satire gegen Klischees und Vorurteile spielen, sieht er sich auf einem guten Weg. „Ich würde mir wünschen, dass sich mal ein Frauenduo, zwei hier geborene jüngere Damen, total verschleiert auf die Bühne setzt. Die reden über ihre intimsten Erfahrungen, über Familie, ihren Mann, das wäre schon ein tolles Bild – als Kabarett. Die türkischen Missfits, das wäre es doch! Das hätte eine enorme soziale Wirkung!“

Allerdings müssen auch er und seine Familie zugeben, dass nur eine Minderheit im Publikum türkischer Herkunft ist – hauptsächlich Studenten und Akademiker. „Es ist eine Bildungsfrage“, sagt Acet, „die meisten Türken, die hier leben, sind nicht gebildet. Die kommen aus einem anatolischen Dorf.“ Türkische Comedians hat die Käs noch nicht eingeladen. Nicht nur, weil die bekannteren hohe Gagen verlangen: „Türkische Künstler machen ihr Programm vielleicht einen Monat im Voraus – wir haben jetzt schon 2009 durchgeplant“, erklärt Aktay. „Wenn ich das einem türkischen Künstler sage, dann antwortet er: Wer weiß, ob ich da noch lebe!“, lacht Dikmen. In dieser Beziehung, sagt Aktay, sei ihre Familie wirklich ein völlig deutsches Klischee – „preußisch“, wirft Dikmen ein. Seinen türkischen Pass hat Dikmen dennoch behalten: weil er beide Staatsbürgerschaften nicht haben darf.

Ayse Aktay empfindet das Leben in zwei Heimaten als Bereicherung, die sie jedem wünschen würde: „Wir sind keine Deutschen und keine Türken. Wir sind beides. Ich bin sehr glücklich darüber. Wir hatten die Chance in unserem Leben, zwei Kulturen genau kennenzulernen. Man kann uns nicht zwingen, nur das eine oder das andere zu sein. Wir sind eben etwas Besonderes.“

Von Eva-Maria Magel

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.10.2008, Nr. 41 / Seite R3

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