Şinasi Dikmen

Ein Selbstbildnis

Er ist eigentlich ein Türke, der wie ein Bayer aussieht, klein, gedrungen, ein bisschen dick, der wie ein Tscheche Deutsch spricht, mit starkem slawischen Akzent, der eine Brille trägt wie ein Japaner, der sich manchmal benimmt wie ein Gentleman aus Oxford, der sich manchmal auch benimmt wie ein Schwabe. Seine Urgroßeltern kommen aus dem Kaukasus. Sein Vater ist Tscherkesse, seine Mutter halb Türkin, halb Tscherkessin. Seine Enkelkinder haben amerikanische, hispanisch-amerikanische oder deutsche Väter und türkische, französische Mütter. Der Mann ist eigentlich in seinem persönlichen Leben schon eine UNO.

Geboren ist dieser Mann in Ladik/Samsun TüRKEI, in einem kleinen moslemischen Dorf, wo man außer Minaretten nur noch den blauen Himmel sieht, vorausgesetzt, es regnet nicht, nur die Minarette kann man nie übersehen. Er ist geboren am… Ja, wann er geboren worden sein soll, da scheiden sich die Geister. Sein Pass behauptet am 5. Januar 1945. Doch sicher ist, er ist weder im Januar noch im Jahre 1945 geboren. Als er darüber eine Geschichte schrieb und diese Geschichte im Süddeutschen Rundfunk (SDR) las, wurde ein SDR-Reporter in sein Dorf geschickt, damit er raus bekommt, wann Sinasi geboren worden sein könnte. Der Reporter bekam fast die gleichen Antworten, welche Sinasi in seiner Geschichte fiktiv gegeben hatte: Nach Meinung seiner Mutter sei er an dem Tag geboren, an dem der kräftige Bulle verschwunden war. Der Vater meinte, das könne nie der Fall gewesen sein, denn der Bulle sei später verschwunden und Sinasi sei an dem Tag geboren, an dem das große Erdbeben das Dorf heimgesucht hatte. Sein Onkel meinte das Gegenteil, Sinasi sei schon vor dem Erdbeben auf der Welt gewesen. Sein Lehrer meinte …, sein Schwager meinte …, seine ältere Schwester meinte…. Diese Geschichte, „Wir werden das Knoblauchkind schon schaukeln“, wurde in über 15 Sprachen übersetzt, darunter ins Griechische, Chinesische, Finnische. Und man nahm sie in österreich, Schweiz, Frankreich, Deutschland, Finnland und Holland in die Schulbücher auf.

In Ulm war er dann über 15 Jahr lang als Krankenpflegehelfer, Krankenpfleger und Fachkrankenpfleger für anästhesiologische Intensivbehandlung auf einer Intensivstation tätig. Nebenbei schrieb er kurze Satiren und wurde von Dieter Hildebrandt entdeckt. 1983 und 1984 gastierte er zweimal im „Scheibenwischer“ und begann eine neue Karriere. Sinasi Dikmen war der erste, der sich mit dem Dasein der Türken in Deutschland humoristisch-satirisch auseinander setzte.

Er ist der Gründer des ersten türkischen Kabaretts in deutscher Sprache „Knobi-Bonbon-Kabarett“. Mit diesem Duo hatte er 1985 Premiere. Sie stellten fünf Programme auf die Beine: „Vorsicht, frisch integriert“, „Putsch in Bonn“, „The Wall`s“, „Der Beschneider von Ulm“ und „The Best of Knobi-Bonbon“. Zwischen Helsinki und Ankara spielte das Duo über elf Jahre lang. 1988 erhielt er mit dieser Gruppe den deutschen Kleinkunstpreis.

Sein erstes Buch „Wir werden das Knoblauchkind schon schaukeln“ veröffentlichte Dikmen 1983. 1986 folgte „Der andere Türke“. „Hurra, ich lebe in Deutschland“ erschien 1995, es folgte 2008 „Integrier dich Opa!“. Darüber hinaus schrieb und schreibt der Kabarettist heute noch Artikel, Glossen und Satiren für verschiedene Zeitungen und Magazine. 1991 erhielt er den Journalistenpreis der IG-Metall.

Nach Auflösung der Gruppe Knobi-Bonbon-Kabarett gründete Sinasi Dikmen mit Ayse Aktay im März 1997 die KäS – Kabarett Änderungsschneiderei. Dikmen spielt aber nicht nur in der KäS, sondern auch auf Gastbühnen zwischen Flensburg und Friedrichshafen, zwischen Saarbrücken und Leipzig, sowie in vielen Ländern wie USA, Finnland, Polen, Italien, Holland und natürlich in der Türkei, aber immer auf Deutsch – versteht sich. Dikmens Repertoire umfasst bisher acht Programme: „Kleider machen Deutsche“, „Wenn der Türke zweimal klingelt“, „Mach kein Theater, Türke“, „Du sollst nicht türken!“, „Quo vadis, Türke!“, „Wahrlich, ich sage Euch…“, „Nicht ohne mein Deutschland“ und „Islam für Anfänger“. Dikmen ist natürlich kabarettistisch schwarzweiß, polemisch, angriffslustig, aber nie feindlich und hasserfüllt. Ob er als Türke über die Griechen redet oder über die Kurden, ob er als Türke in Deutschland seine Landsleute durch den Kakao zieht oder die Deutschen kritisiert, jede Nation und jede Religion bekommt ihr Fett ab, und das reichlich.

 

Für das „Gedächtnis der Nation“ erzählte Sinasi Dikmen aus seinem Leben, was man auf Youtube anschauen kann.

 

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